Kunst – Ina Riehl

Körper Unser

Körper unser im Himmel
geheiligt werde Dein Sein

Dein BMI komme
Dein Leistungsmaximum geschehe

Unser tägliches Workout ermögliche uns heute
und vergib uns Zucker, Fett und Kohlehydrate

wie auch wir vergeben unseren inneren und äußeren Gastgebern

Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von Hunger, Erschöpfung und Sehnsüchten

Denn Dein ist das Reich der Selbstoptimierung
und die Kraft des Willens und die Herrlichkeit des Spiegels

Auf Lebenszeit Amen

Anmerkung: “Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!”
(zit. Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung)

I saw the light/Tragödie zum Thema Wünsche

Auf dem Bügel hing das Kleid: Ein edelmatter Jerseystoff in einem tiefen, fast schwarzen Blau.
Halsnaher Ausschnitt.
Knielänge.
Die Ärmel stießen perfekt an den Daumenballen an, so dass Ihre großen Gesten elegant wirken würden, ohne einen Blick auf nackte Handgelenke freizugeben.
Kein Schmuck – nur die teure Uhr. Ein zerkratztes Geschenk ihres geschiedenen Mannes, von vor etwa 1000 Jahren. Auf die Entfernung würde man das nicht wahrnehmen können.
Sie hatte das Kleid in einem Edel-Second-Hand erstanden,
Es ließ die teure Abstammung, die weit über den Möglichkeiten ihrer Gehaltsklasse lag, nur sehr dezent sprechen.

Die bernsteinfarbenen Lederstiefel brachen das etwas zu frauliche Outfit eigenwillig. Ein gewünschter Effekt. Die zur Alternative stehenden dunkelblauen Sieben-Zentimeter- Pumps bärgen die Gefahr, ihr die Souveränität, (die sie sich mit Lautübungen im Treppenhaus eratmen würde), durch einen Wackler auf dem Weg zum Mikrophon wieder entgleiten zu lassen. Gleichzeitig demonstrierte ihre Wahl auf eine etwas überhebliche Weise, dass sie auf das Add-on, ihrer immer noch schönen Waden, problemlos verzichten konnte.

Vier Stunden Recherche und dreimaliges Überarbeiten – vor allem der Textpassagen, die den Zuhörern Gelegenheit geben sollten, ihre angespannte Langeweile durch ein paar kleine Lacher abzubauen – hatten sich zu ihrer Zufriedenheit auf die Moderationstexte ausgewirkt.
Ein paar nicht vollständig ausformulierte Stichworte für die ungeplanten, vorhersehbaren Zwischenfälle (Referent Nr. II steht im Stau …etc.) hatten die Vorbereitung ergänzt.

Gut.

Sie begab sich auf den Weg hinter die Kulissen, die natürlich keine Kulissen waren, sondern nur die Stunden davor, in denen sie mit den Kolleginnen im Bequem-Outfit die Blumenarrangements positionieren, das Catering arrangieren und die Mikrofonprobe absolvieren würde. Im kalten Licht der Toilette geriet ihr das reduzierte Make-up perfekt.

Ein lächelnder Blick, der vermutlich aufmunternd wirken sollte, von der Lieblingskollegin.
Sie sah, was er wirklich sprach: Gottseidank, habe ich nicht die Ehre.

Lippen schon jetzt in die professionellen Grübchen gehängt, grüßte sie mal hier mal da, ohne sich auf ein Gespräch einzulassen. Der Eröffnungssatz hing ihr schon in den Zähnen – deshalb!

Fünfzig Jahre – Die schon bekannte Begrüßungsrede der derzeitigen Vorgesetzten ließ ihr Raum den Blick über die Kolleginnen, die Sponsoren und Politiker, die Geladenen der Konkurrenz, die Angehörigen und die Mitglieder, sowie die dreiundzwanzig Jahre ihrer eigenen Mitwirkung schweifen zu lassen.

In ihrem Inneren begann unwillkürlich und diametral entgegengesetzt zur im Hintergrund intonierten Erfolgsgeschichte, eine andere Stichwortliste zum gleichen Thema zu funken:
zu kleine Budgets, Energieverluste im Konkurrenzkampf, unergiebige Gehaltsgespräche, Einöde der Nebenschauplätze, undsoweiterundsoweiter…

Höfliches Klatschen zollte den ausgesprochenen Worte Respekt.

Fresh – die geschmackvoll-jazzige erste Musikeinlage, während derer sie ihren Platz hinter dem Rednerpult nun mit festem Schritt ansteuerte. Sie blickt auf das grässliche Ölgemälde eines lokalen Künstlers, das ein aufgewühltes Meer zeigte. Es war ihr, als hätte sie es vorher niemals wahrgenommen.

Sie wendete in Richtung Publikum, hob den Kopf und für einen kurzen Augenblick hing in ihren Augen noch der Ausdruck, der von der Gischt auf den Kronen der Wellen herrührte, die der Maler theatralisch in Szene gesetzt hatte.

Sie hatte sich vorgenommen, diesen Augenblick intensiv zu erleben. Sie hatte sich vorgestellt, sie stünde hier, als die, die sie damals als Fünfundzwanzigjährige Berufsanfängerin war – auf ein ähnliches Podium, einer ähnlichen Organisation, eines ähnlichen Jubiläums, einer ähnlichen arbeitsreichen Erfolgsgeschichte blickend.

Sie spürte in sich hinein, um die Quelle in sich zu finden, die damals ihren Idealismus gespeist hatte, ihren Geist, mit dem sie hinter dem Podium einer solchen NGO* hatte stehen wollen und mit blauen Haaren und geballten Fäusten für Gerechtigkeit hatte kämpfen wollen – aber sie rann ihr durch die Wahrnehmung!

Sie hier und das Meer des Publikums dort – waren in die Farbpalette des Künstlers getaucht und es erschien ihr plötzlich absurd diese Szene in ihr Gedächtnis eintragen zu wollen.

Die reinweiße Gischt, die eben noch auf der im Vordergrund festgehaltenen Welle tanzte, würde im nächsten Augenblick von einer anderen Welle überrollt werden!

Sie wurde in das Licht eines Kamerablitzes und die Wahrheit dieses Moments getaucht, der ihre Quelle vermutlich nur zufällig ausgesucht hatte.

Wasser eines einzigen Wassers, schoss es ihr noch durch den Kopf, bevor sie anhob zu sprechen.

Der Raum war voller Menschen die (lediglich) ihre Arbeit taten – sie eingeschlossen.

*Abk. Non-Government-Organisation

Anmerkung: https://www.youtube.com/watch?v=BZOObJjjiOA

Pubertäres Gebet von Montagmorgen bis Montagabend

Kurzform:

“Danke für das Licht“

Amen

Langform:

“…Danke auch für die Dunkelheit, (Du merkst schon, das kommt mir nicht ganz sauber über die Comfortzone  in der ich mich am liebsten tummle, bei:
Diesdas, Marihuana, Mann & Klamauk)
liebende Nachsicht
erbeten
für den Fall der Fälle
Offenes Auge (Nr. 3)
Energyschub (den mit den Flügeln)
Arsch in der Hose
ConneXion – also: grüne Welle auf der Lichtstraße
in die Reflektor-Pumpe
für
den/die/das
heute
Göttin zu sein“

Amen

Traumprotokoll: Dream my Dream- Sing my Song

Es ist ein kleiner, niedriger Konzertsaal, in dem wir sitzen. Einer von denen, die nur ganz mit künstlichem Licht beleuchtet werden. Nur oben, nah der Decke sind zwei Reihen Glasbausteine eingemauert. Wir sitzen im hinteren Teil des Zuschauerraumes in der letzten Reihe. Ganz rechts in der Ecke sitzt Udo Lindenberg. Links neben ihm sein unbezahlter Manager, ein ärmlich wirkender vierzigjähriger Aussteiger (aus was auch immer), er sagt sowieso die ganze Zeit nichts. Sie sitzen vor zwei riesigen Wandheizungen. Der Saal ist kalt und zugig, nur das bisschen Wärme, das die beiden Heizkörper ausstrahlen. Du und ich sitzen im Durchgang, auf Stühlen, die wir uns aus den Reihen genommen haben. Wir sitzen also Udo schräg gegenüber, hinter uns vermutlich eine Bühne. Ich sehe mich um, aber das Licht reicht nicht bis in den hinteren Teil des Saales. Seltsam, dass es hier, wo wir sitzen, aber so hell und weiß ist. Auch die schlichte Holzbestuhlung wirkt in diesem Licht weiß. Keiner redet mit der Stimme, wir unterhalten uns mittels Gedankenübertragung. Du schlägst vor ein Eis zu essen. Wir sitzen dann alle da, neben Udo. Der mittellose, beschäftigungslose, auch telepathisch stumme Manager, Du und ich und wir essen rosafarbenes Magnum. Udo hat großen Hunger und funkt, dass er, falls einer von uns sein Eis nicht schafft, gern den Rest essen will. Meins ist schon leer. Du hast von Deinem die ganze rosa Kruste abgeknusperst und gibst ihm dann Deins. Es sieht appetitlich aus, das cremefarbene angeschmolzene Eis, mit den eingesprenkelten schwarzen Punkte von Vanilleschote. Wir wissen alle, dass das Udos letztes Konzert sein wird. Es werden auch keine weiteren Zuschauer kommen, das Ganze wird jedoch aufgezeichnet erklärt er uns. Er will nicht auf der Bühne spielen, sondern im Publikumsraum. Er deutet dahin, wo wir im Gang gerade sitzen. Die ganze Zeit singt Udo in unseren Köpfen mit seiner typischen Quäk-Stimme. Es klingt wie schönste Poesie. Ich sehe, dass Du genau da sein willst wo Du gerade bist.

Ein fünfzehnjähriges ungeschminktes Mädchen ist auch da. Sie ist sehr hübsch; unschuldig, wie sie dasteht und den Background summt. Udo hat immer noch Hunger und ich denke darüber nach, wie ich etwas zu essen aufzutreiben könnte, hier, in dem Hotel, in dem wir uns befinden– im Atlantik in Hamburg, du weißt schon. Der kleine Konzertsaal ist im Keller des Hotels. Sie lassen Udo schon derart lange kostenlos hier wohnen und essen, dass es einfach nicht mehr geht und sie nur noch das Nötigste geben, damit er nicht verhungert und er den kleinen Konzertsaal besuchen kann, um sich gut zu fühlen. Er wird nämlich bald sterben. Wir vier werden bei ihm sein, wenn er stirbt, Das wird heute sein. Ich versuche mich im Traum zu erinnern, was für ein Datum es ist und ich vermute, dass es der siebte Februar 2019 ist (heute ist aber der achte übrigens), aber mein Gehirn korrigiert auf den fünften Oktober. Na gut. Ich veranlasse einen Kellner, den ich aus meiner Ausbildung kenne per Telepathie Udo eine Suppe zu servieren. Aber mit Stil! Ich denke, er kann einen Esslöffel Instantpaste in eine hauchdünne Porzellansuppentasse geben, ein silbernes Tablett nehmen, mit Unterteller und schwerem Silberlöffel und eine steifweiße Stoffserviette dazustellen. Ein zwar nicht nahrhaftes, aber würdiges Abendbrot vor diesem letzten Konzert. Er serviert das Geforderte, aber er hat kein kochendes Wasser aus der Küche bekommen, die die Order hat, jetzt nichts mehr für Udo herauszugeben. Also befindet sich nur dieser Esslöffel grünlicher Instantpaste in dem kostbaren Geschirr, was absurd aussieht. Der Kellner wird irgendwo anders das heiße Wasser herkriegen müssen und macht sich auf den Weg. Ich schäme mich, weil ich weiß, dass das ein blöder Versuch war Udo in dem Glauben zu lassen, er lebe noch in dem Glanz vergangener Tage. Es gibt keine Chance irgendetwas anders darzustellen als es ist, denn wir alle sind einander ja über Gedankenübertragung verbunden. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf Dich. Du sitzt die Arme auf den Schenkeln abgestützt im Kutschersitz und bist ganz fokussiert und ruhig: Denkst Frieden, atmest Frieden. Ein und Aus und Ein und Aus. Das ist richtig. Ich mache mit. Dem Mädchen rinnen unaufhörlich Tränen aus den Augen. Leise summt sie den Background trotzdem so mutig, dass einem das Herz aufgeht. In unverbrüchlicher Treue verharrt der Manager an Udos Seite. Udo beklagt, dass die Heizung hinter ihm kalt geworden ist. Wir können alle nichts für ihn tun. Ich weiß jetzt, was ich hier soll. Gott sei Dank! Bisher hatte ich den Grund meiner Anwesenheit nicht gekannt.

Ich bin sowas wie eine Pförtnerin auf der materiellen Seite des Lebens und so wie ich das erinnere, ist er auch schon da: Der weiße Lichttunnel. Eine Energiespirale, die sich in atemberaubendem Tempo dreht. Ich sehe hinein, was immer schwer ist, da das Licht so gleißend ist und suche nach jemanden der Udo abholt. Ich sage mit meinen Gedanken zu Udo, dass ich Hermine, seine Mutter sehe. Da sind noch mehr verstorbene Seelen. Der ganze Konzertsaal ist nämlich jetzt bis auf den letzten Platz besetzt. Ein dankbarer, tosender Applaus für Udo begleitet die ausklingenden Klänge seines Songs. In dem Klatschen und Jubeln ist das Publikum miteinander in Liebe verbunden. Wir sind aufgestanden und teilen mit allen diesen erhabenen Moment großen Glücks. Udo stirbt in den weißen Tunnel hinein.

Ende und Anfang. Anfang und Ende.

Anmerkung: https://www.youtube.com/watch?v=hgwytOPOR5E

Versicherung/Ja-Wort

Die Unterzeichnende versichert hiermit Ihre AnHaftung an ihre

– Schädlichkeit
– Rechtsbewusstlosigkeit
– Un- und Fallgefährlichkeit
– Berufungsunfähigkeit
– Leblosigkeit



Sie erteilt die Einzugsgenehmigung der Beitragszahlungen von ihrem Girokonto.

Der Leistungskatalog umfasst:

– die Vermutung über das Ausmaß des innewohnenden (Schädigungs)Potentials der Versicherten
– eine Abtretungserklärung des Erlebens von Ängsten zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses
sowie
– die Übergabe an/ und Übernahme des Angstlevels (i.fgd. AL) Mitversicherte/r.

Die Unterzeichnende befugt, nach sorgfältiger Wirtschaftlichkeitsprüfung* auf einschlägigen Vergleichsportalen (Parameter: Beitragszahlung, Selbstbeteiligung, Haftungsausschlüsse) den gewählten verantwortungsbereiten Versicherer zum Gestaltungsmanagement.

*Tipp: Die gesparte Summe steht in vollem Umfang dem Erlebenspotential der Versicherten zur Verfügung.

Musterstadt, den 28.09.2018

Anmerkung: Ich war´s nicht

Eau de Cologne Schäfchenstunde

Parlewu Clementiiiiiiihnnn
Parfüm
Jardän
Parphähm!”
Exküsema, – “Pardohhn”
Parvohhm
Mahkerooohhn
Parfohhhhm
Woolewool kuschäää awake up and down and diesdas…. 😉

Merciiiiiiiiiihhhhmarieee

Anmerkung: https://www.youtube.com/watch?v=TilQ8BIHisw

Integratives Glaubensbekenntnis

Ich glaube an mich und meine Fähigkeit mir selbst Vater und Mutter zu sein

Ich glaube daran mich auf meinem Weg dem Allen zu bemächtigen, was schon ist und was ich darin bin.

Ich glaube an meine Schöpferkraft und Wirkmächtigkeit in jedem Moment, so wie in diesem Moment

Ich glaube an das gemeinsame Bewusstsein und die Freiheit, die im Augenblick der Aufhebung von Getrenntheit entsteht

Ich glaube an die Kraft der Wahrhaftigkeit, die darin liegt in der Begegnung mit jedem Menschen, in meinem Sprechen, Handeln und Fühlen eins zu sein

Ich glaube an die Vergebung, so wie auch ich vergebe, wenn Nichtgegebenes genommen und Nichtseiendes von mir gefordert wurde

Ich öffne mein Herz für die Lehrer bedingungsloser Liebe:  für den Buddha, für Jesus Christus für Muhammad und für all diejenigen durch die diese Botschaft spricht…

Ich glaube an den unendlichen Energiestrom von

Gaya und Uranos, an das Qi, an das Licht und an das Spiel.

Ich bekenne mich zur Übung in Wahrhaftigkeit, in Freude und in Dankbarkeit.

Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah

Amen.

Anmerkung: https://www.youtube.com/watch?v=KdkGEEqQLoI

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