Die Kunst- und Kulturscheune

Willkommen in der Kunst- & Kulturscheune am 27. Juni 2020

Künstlerischer Ausdruck, emotionales Wachstum und Psychotherapie hängen sehr eng zusammen, denn auch das menschliche Unbewusste spricht in einer Bildhaften Sprache zu uns. Bilder können uns tief berühren, uns erschüttern und aufrütteln aber auch harmonisieren, ja sogar heilen. Die Macht von Bildern kann starke Veränderungen in uns bewirken. Jeder Mensch hat die Fähigkeit zum künstlerischen Ausdruck, wenn auch nicht jede*r die Begabung zum*r Berufskünstler*in in sich trägt (frei nach Joseph Beuys). Diese Ausstellung von Werken der Impulsmitglieder möchte Sie einladen eigenen kreativen Impulsen wieder mehr zu vertrauen, sie umzusetzen ohne den stresserzeugenden Anspruch etwas „Perfektes“ zustande bringen zu müssen.

Künstlerischer Ausdruck macht Spaß, entstresst und birgt ein ungeheures Gute-Laune-Potential.

Die ausstellenden Künstler*innen:

  • Monika Dengel-Rach
  • Cornelius Hackbarth
  • Jaya Herbst
  • Peter Herbst
  • Karin Seifried

 

 

Die Veranstaltung findet unter den zur Zeit geltenden Hygieneschutzvorschriften statt, deshalb bitte anmelden unter Info@impuls-rhein-neckar.de

 

 

Unser Programm

  • 15.30 Uhr Beginn der Veranstaltung
  • 15.45 Uhr – Begrüßung und Vorstellung des Vereins,
    Jaya Herbst, 1. Vorsitzende.
  • 16.00 Uhr – 18.45 Uhr
    Christiane Hahn, Kunsttherapeutin:
    Parallel zur Ausstellung: Intuitives Kritzeln
    Ein offenes Angebot für Jedermann. Lassen Sie sich überraschen, was dabei entsteht. Im scheinbaren Chaos suchen wir nach Dingen, die uns direkt ins Auge springen. Malkenntnisse sind nicht erforderlich, nur Freude am kreativen Tun sowie Lust auf Neues.
  • ab 19.00 Uhr – Dr. Helmut Orpel, Kunsthistoriker,
    liest aus seinem gerade erschienenen dritten Kunstkrimi „Der Totentanz von Beram“

 

Leseprobe „Der Totentanz von Beram“

Der Schuss verfehlte ihn nur knapp. Todesangst stand ihm ins Gesicht geschrieben, als ihm klar wurde, dass der Angriff ihm galt. Den Mann unten am Weg hatte er bis dahin für einen harmlosen Spaziergänger gehalten. Er bemerkte ihn erst, als er von oben, etwa aus der Richtung des neuen Restaurants, den Hang herunterkam. »Maledetto!«, fluchte Mario Segattini halblaut. Mit einem Sprung gelang es ihm, hinter dem Anhänger Deckung zu nehmen. Aber diese Deckung würde ihn nicht lange schützen, denn wie erwartet bewegte sich der Angreifer nach links. Bald würde er ihn wieder im Schussfeld haben. Nur das kleine Wäldchen konnte ihm jetzt noch Sicherheit bieten. Er spannte alle Muskeln an. Die Motorsäge hatte Segattini fallen lassen, als er sah, dass der vermeintliche Spaziergänger stehen geblieben war und nun einen Revolver aus der Jacke zog. Mario blieb ruhig, so wie man es ihm beim Militär beigebracht hatte: Ruhig bleiben angesichts einer unmittelbar drohenden Lebensgefahr! Sein Instinkt und sein Reaktionsvermögen waren bisher sein Überlebenskapital gewesen. Auch in den drei Jahren Krieg, die er hatte durchmachen müssen. Es waren schlimme Jahre gewesen. Bis heute verstand er nicht,  warum sich manche seiner ehemaligen Kameraden mit ihren sogenannten Heldentaten brüsteten. Im Krieg hatte er nur eine einzige Sache gelernt, die ihm wirklich von Nutzen gewesen war: rechtzeitig in Deckung zu gehen. Mario hatte wie an den meisten Tagen Holz gesammelt, ein einträgliches Geschäft, denn in den letzten Jahren waren neue Häuser rund um das Dorf entstanden. Viele diese Häuser hatten offene Kamine, in denen die Feuer um diese Jahreszeit den ganzen Tag brannten. Die Bura brachte schneidend kalten Wind. Als der Schuss fiel, war der Anhänger, den später sein Nachbar mit dem Auto abholen sollte, erst zur Hälfte beladen. Die halb ausgetrunkene Tresterflasche aus dem Dorfladen lag obenauf. Trotz der Todesgefahr, in der sich Mario befand, hätte er gern danach gegriffen, aber er widerstand und lief los. Wieder fielen Schüsse, die ihn abermals verfehlten. Die Hatz spielte sich in Hörweite des kleinen Städtchens ab, in dem Segattini fast sein ganzes Leben verbracht hatte. Nur zweimal war er für längere Zeit anderswo gewesen: während der Kriegsjahre und später ein halbes Jahr lang in Deutschland, wo er vergeblich versucht hatte, Fuß zu fassen. Vor dem Krieg hatte er in einem Hotel unweit des Strandes gearbeitet. Nachdem es von einer ausländischen Kette übernommen worden war, brauchte man dort keine fest angestellten Gärtner mehr. Die Arbeit machten jetzt Aushilfskräfte, die billiger waren. Die erste Etappe seiner Flucht gelang: Er kam bis zum Rand des kleinen Wäldchens. Dort, so fanden die Ermittler später heraus, hatte ihm offenbar ein zweiter Killer aufgelauert, dem er genau ins Schussfeld gerannt war.

Mario Segattini hatte nicht lange leiden müssen, wie die Spurensicherung feststellte. Aber bis sein Leichnam entdeckt wurde, verging einige Zeit. Zwar hatte der Nachbar, wie versprochen, den Anhänger mit dem Holz geholt und vor Marios Haus abgestellt, aber, wie er später zu Protokoll gab, Mario im Wald nicht angetroffen. Er war spurlos verschwunden. Ob er darüber nicht beunruhigt gewesen sei, wollte Kommissarin Jugovac, die ihn befragte, wissen. »Nein«, sagte der Nachbar entschieden. »Da lag die leere Schnapsflasche. Das war für mich Erklärung genug.« Mario habe ohne dieses Zeug nicht leben können. Deshalb habe er vermutet, dass Mario in den Dorfladen oder in die Kneipe oben an der Kirche gegangen sei, um weiterzusaufen. In der Gegend war es um diese Zeit sehr einsam, wie die Kommissarin bei ihrer Befragung der Anwohner erfuhr. Nur Jäger durchstreiften die Eichenwälder, um Wildschweine und Rehe zu jagen. Schüsse fielen hier oft. Deswegen hatte es auch niemanden gewundert, in der Mittagszeit Schüsse zu hören. Anders, sagten die Einheimischen, sei es im Frühjahr: Dann suchten viele Leute in den Wäldern nach dem in Istrien so beliebten wilden Spargel. Doch im Winter sei der Wald ein trostloser Anblick. Und so waren erst zwei Tage nach seinem Verschwinden zwei Spaziergänger zufällig auf Marios Leichnam gestoßen und hatten die Polizei benachrichtigt.

Kommissarin Jagoda Jugovac aus Pula, der die Ermittlungen in diesem Fall übertragen worden waren, fragte sich nach dem Tatmotiv. Ein offensichtlich stark heruntergekommener Alkoholiker, der mit dem Sammeln von Brennholz seine karge Sozialhilfe aufbesserte – wer konnte es auf so jemanden abgesehen haben? Ein Jagdunfall vielleicht? Diese Vermutung lag nahe. Aber ein Jagd unfall, bei dem Segattini versehentlich ins Schussfeld eines schießwütigen Jägers gelaufen war, konnte es nach Lage der Dinge nicht gewesen sein. Das Spurenbild, das ein Kollege von der Spurensicherung auf dem Flipchart des Gemeindezentrums, wo die Polizisten zur Besprechung zusammengekommen waren, aufgezeichnet hatte, sah wie bei einer Treibjagd aus, bei der das Wild gezielt gehetzt worden war. Wären es wirklich Jäger gewesen, hätten sie sehen müssen, dass es sich hier nicht um einen verirrten Hirsch oder um ein Wildschwein handelte, sondern um einen Menschen. Das Schussfeld vor dem Wäldchen war sehr übersichtlich. Und wie es schien, war der tödliche Schuss aus nächster Nähe abgegeben worden, aus dem kleinen Eichen wäldchen heraus, in dem der Verfolgte anscheinend hatte Schutz suchen wollen. Dort hatte ihm der Mörder offensichtlich aufgelauert. Unterhalb des Wäldchens musste der Treiber gestanden haben, der das Opfer kaltblütig seinem Mörder zugetrieben hatte, oben, das ergab die Spurenlage, derjenige, der ihm den Fangschuss verpasst hatte.

Offenbar war die Treibjagd bereits losgegangen, als Mario Segattini noch an dem halb beladenen Anhänger stand. Auf dem Holz lag eine leere Tresterflasche, die der Getötete vermutlich während der Arbeit ausgetrunken hatte. Die Sauferei, so erzählten fast alle Bekannten Marios, habe ihn gesundheitlich ruiniert. Die Familie sei schon vorher auseinandergebrochen. Vor zwei Jahren habe ihn seine Frau verlassen. Verwandte gebe es noch, eine Schwester, aber die lebe in Triest, hatte Kommissarin Jugovac von den überaus auskunftsbereiten Nachbarn erfahren. Warum er auf diese Art und Weise zu Tode gekommen war, konnte sich niemand erklären. Nach der Besprechung im Gemeindezentrum brachen die Leute von der Spurensicherung auf. Marios Leichnam war bereits am Vormittag in einem Metallsarg nach Pula überführt worden, wo er in der Gerichtsmedizin einer genaueren Untersuchung unterzogen werden sollte. Jagoda Jugovac rief Ivan Rebić an, ihren Vorgesetzten von der Internationalen Abteilung der Kriminalpolizei Pula, und erstattete Bericht. »Hm«, murmelte er. »Ein einfacher Mann, Alkoholiker noch dazu, und bei einer Art Treibjagd ermordet?« Ihm fielen Fälle ein, die er von Berlin her kannte. Dort hatte er während seiner Ausbildung eine Zeit lang gearbeitet und im Streifendienst alle möglichen Gewaltexzesse kennengelernt. Auch erfahren, dass offensichtlich hilflose Obdachlose von durchgeknallten Jugendlichen ermordet worden waren. »Könnte es sich um einen solchen Fall handeln?«, fragte er.

»Ich glaube nicht«, antwortete die Kriminalistin. Auch sie kannte Fälle wie die, auf die Rebić anspielte. »Dafür sieht die Sache zu geplant aus. Sascha Kovać von der Kriminaltechnik bearbeitet den Fall. Er hat die Spuren am Tatort genau untersucht. Ihm kommt die Sache ebenfalls merkwürdig vor. Er meint, es sehe wie eine Abrechnung aus. Sehr militärisches Vorgehen, sehr gezielt, so seine Worte.« »Na ja, wenn er das meint, sollten wir noch ein bisschen Zeit verschwenden, bevor wir den Fall zu den Akten legen«, sagte Rebić. »Gut, dann bleibe ich noch ein paar Tage hier, wenn du nichts dagegen hast.« »Keinesfalls«, antwortete Rebić. »Es soll dort ja recht schön sein. Aber treib die Spesen nicht zu hoch. Du weißt, wir müssen sparen!« »Die Gefahr extremer Ausgaben besteht hier wohl kaum. Das ist ein ruhiges Kaff. Ich glaube, hier gibt es noch nicht mal ein vernünftiges Restaurant. Weiter vorne habe ich eine Pizzeria gesehen. Ich werde mal fragen, wo ich für die Nacht unterkommen kann. Ich melde mich dann morgen wieder bei dir.«

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